Die Hypersensibiliäts-Lüge / Letters to..

in einer drei jahre alten email finde ich motivation dafür, dass es für jede lebenslage eine ausrede gibt.

 

„Robinson.

heute durfte ich den gefühlt grässlichsten ostermontag erleben. nichts hat geklappt, zu viel zeit habe ich allein verbracht und  mich hat enttäuscht, was mich in letzter zeit viel zu sehr einnimmt. letzten endes stand ich mir selbst im weg. ich schäme mich, dir in diesem moment zu schreiben, aber ich kann dir diese gefühlslawine nicht vorenthalten. verbirgt man seine empfindungen, ist man nicht mehr. erinnert mich so sehr an descartes’ “cogito ergo sum”. ja ich möchte dieses gleichnis aufstellen. ich möchte den guten korrigieren.
ich habe heute allem abgesagt, allem entsagt. liege geschützt in meinem viel zu großen bett. du hast eine importanz für mich erreicht, deren ausmaß absonderlich ist. in “echt” bin ich immer viel zu sehr verborgen hinter unvernunft. aber die beständigen, unwirklichen phrasen mit denen niemand etwas anzufangen vermag sind für dich verständlich, klar. unser gesamter kontakt ist wie ein nie endendes gespräch über allem wirklichen, wie ein flug durch warme himmelsschichten. ohne flügel, ohne materielles. blank. wunderschön, anmutig.
ich frage mich selbst nach dem grund dieser wellenlänge. liegt es an der vernunft deines alters dass du mich verstehst? das bezweifle ich wie sonst nichts. menschen um mich rum sind nicht so. dachte ich. ich habe tatsächlich in den letzten tagen ein mädchen in meinem Jahrgang gefunden. sie saß dieses halbjahr neben mir in einem fach. früher hat alles über sie gelästert, sie zum Außenseiter auserkoren. es mag wohl ihre unkonventionelle art sich zu kleiden gewesen sein. oder ihre abnorm langen, unter dem oberflächlerbegriff ‘ungepflegten haare’ zusammen mit der ‘ungepflegten’ haut. ihre haare haben einfach nicht nach den üblichen silikonen der werbungs-shampoos geglänzt. sie ist auch oft auf bäume geklettert. ich hatte nie viel mit ihr zu tun, aber irgendwann vor jahren fingen wir an, immer wenn wir uns begegneten zu lächeln. warum auch immer. das setzte sich in solch minimalistischer form über die jahre fort. bis sie im letzten halbjahr neben mir saß. wir avancierten schleichend zu freundinnen, aber auf eine so zarte art, der der schäbig-alte begriff ‘freundin’ niemals gerecht werden kann. in der letzten gemeinsamen stunde fragte sie mich:
”malin, hast du auch manchmal das gefühl mehr zu sehen?”
worauf ich ganz verdattetert wohl nur erstaunende Geräusche von mir gegeben habe und sie daruf ausführt: “ siehst du manchmal mehr licht? mehr farben? mehr details?..”
seltsamerweise wusste ich just was sie meinte. ich habe ihr daraufhin einen verblüfften zettel geschrieben, auf dem bejahende, schüchterne formeln standen. diese waren aber derart unwichtig. wir wussten beide was sie meinte. sie hat nach dem unterricht zu mir geflüstert: “ich suche immer so jemanden wie mich. und manchmal finde ich jemanden.”
weiterhin hat sie mir erzählt, dass es eine menge forscher gibt, welche hochsensibilität erforschen. sie legte mir nah eine seiten names zartbesaitet oder dergleichen im Internet aufzusuchen und deren test zu machen. sie hat zu mir gesagt:” wenn man weiß was es ist, kann man wenigstens besser damit umgehen.” ich glaube stark, dass sie in diesem punkt recht hat, aber ich war auf besagter seite, habe den test gemacht, aber halte nichts vom test und auch nicht viel von der seite. das ist mir alles sehr schwammig und ich dachte permanent dabei, dass diese art von zweifeln jeder mensch hat. aber in meinen augen sind nicht alle menschen hochsensibel. ich glaube an die kernidee, aber alles schwammige dahinter ist mir zuwieder.
heute traf es mich wieder, dieses gefühl mehr elan und deatilversessenheit in geliebtes oder geliebte zu stecken als andere. die zu sein, die mehr empfindet. vielleicht ist das ja auch nur egoismus, aber ich kann mich darin trösten.
aber vielleicht ist es genau das. zu schön aber auch zugleich zu richtig fühlt sich die annahme an, du und ich würden eine empfindliche wolke teilen.“
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