wie du erkennst, dass du unerwünscht bist

Ich erinnere mich an einen fahrradsturz im abschlussjahr (welches ich dann wiederholt habe). Unerlaubterweise bin ich bereits auf dem schulhof auf das rad gestiegen. Ich wollte ein paar gruppen schüler, darunter auch mitschüler überholen, aber habe nicht mitbekommen, wie sich der am lenkrad hängende turnbeutel in den speichen des vorderrades verfing. Es ging schnell und ich lag auf dem boden, worüber sich mein kopf als erster beklagte. Ich bekam mit wie die mitschüler vorbei gingen und tuschelten, ich weiß nicht genau was sie sagten, aber es klang spöttisch und im sinne von ‚hat sie verdient‘. Ein mädchen aus meiner ehemaligen grundschulklasse zischte ihnen etwas wütendes zu, beugte sich dann über mich und half mir auf. Begleitet von zwei anderen ging ein mädchen mit dem ich sonst die pausen verbrachte, mit verklemmten blicken ebenfalls vorbei. Später war ich mit den anderen beiden besser befreundet und sie erzählten mir, dass sie eine debatte darüber hatten, ob sie mir zur hilfe hätte eilen soll, aber ihr geraten hatten, besser den sportunterricht zu besuchen. Ich hätte ja da schon eine begleitung gehabt. Ich habe geflennt wie ein schloßhund, aber nicht der verletzung wegen, sondern aufgrund meiner armseligen sozialen stellung. Eine person die jeder gern kennen möchte, aber dann verstoßen wird aufgrund meiner launigkeit und dem verdruß, niemanden zu haben, der einen versteht. Irgendwann will einen dann auch keiner mehr um sich haben, man wird höflich gemieden und im stillen verabscheut.
ich merke es jeden tag, ich bin jemand der am anfang super freundschaftlich wahrgenommen wird, aber dann lieber gemieden wird. Unmöglich tiefe freundschaften aufzubauen. Ich wirke äußerst arrogant, da mein gesicht nicht das hässlichste ist und ich ohne grund wenig lächle. Etwas dicklich, eigentlich ein angenehmer umgang für schlankere, bis sie dann meinen bestreben, mich nicht als dick einzuschätzen, mitbekommen und es als selbstverliebtheit erkennen. All diese charakterzüge die ich aufweise, aber zutiefst verabscheue und versuche zu verabschieden. Verschiedenste dinge spielen da eine rolle: eine etwas autoritäre und verurteilende aura, besserwisserei und mangelnder respekt gegenüber nicht-autoritätspersonen. Zwänge die ich zu verstecken suche, wie geltungsdrang, trennungsangst und verurteilung. Das problem ist, dass ich mir immersage, ich wäre ein mensch der andere so schätzen kann, wie sie sind. Kann ich aber eigentlich nicht. Man hat früh an mir selbstkritisches denken durch kritik an meiner person gefordert. Ich werte andere schnell , auch wenn ich sie mag, weil mich zu viele eigenschaften ernsthaft stören. Beispiel 1: der kleine mann mit ausbildung, geraumem allgemeinwissen über benzinpreise und berufskonflikte. Für mich, lebt er (oder sie!) zu sehr in einer nußschale des einfachen lebens, ohne intellektuellen oder philosophischen anspruch. Beipiel 2: der träumer in seiner spirituellen lebenswelt der nichts bodenständiges im leben erreicht, weil er sich von gesellschaftlichem dienst anbiedern lässt. Er fühlt die musik auf unfassbare weise, aber ist ewiger student (des lebens). So könnte es stundenlang weiter gehen; für punks bin ich zu tussenhaft, für tussen zu shoppingscheu, fernsehfremd und für die coole elite schlitweg zu dick.
mal abgesehen davon, dass ich nichts davon sein möchte, begehre ich trotzdem tiefe freundschaften die sich nunmal durch akzeptanz des anderen auszeichnen. Doch fällt es mir schwer, den anderen gern(!!) zu treffen, wenn mich doch so viele eigenschaften entnerven. Aber es macht menschen schwer zu schaffen, über das gefühl ungewollt zu sein hinaus zu leben. Der geltungsdrang lässt einen verschiedenste fähigkeiten hamstern, nur um in manchen kategorien auftrumpfen zu können, sich als angesagten kenner heraus stellen zu können. Fälschlicherweise wird hier nicht erkannt, dass durch bewunderung nie eine heilung herbei geführt werden kann. Ich würde gern sagen, wodurch sie herbei geführt werden kann, ich denke potential liegt in ehrlichen freundschaften, aber um ehrlich zu sein, weiß ich es nicht.
Es reicht ja nichtmal nur solch einen verabscheuungswürdigen mitleidsbeitrag zu verfassen, nein wir müssen ihn auch noch alle auf unseren scheißblogs veröffentlichen, in der hoffnung, dass andere auch noch unsere verdammte hässlichkeit als ansehen-verdiendend erachten.

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Ein Gedanke zu „wie du erkennst, dass du unerwünscht bist

  1. Der Text spricht mich sehr an…. :-) Ich wollte auch auf den „Gefällt mir“-Stern drücken, habe aber dann bemerkt, dass es keinen gibt.
    Es ist denke ich unheimlich schwierig, das kritisch sein zu lassen, wenn man so erzogen wurde bzw. oft kritisiert wurde.

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