sequenz X382

ich erinnere mich plötzlich an einen abend einer verabredung, bei dem ich mich wirklich geziert habe den kerl zurück zu küssen.
wir stehen zusammen am bahnhof und warten auf die nächste bahn. das thema der unterhaltung war unwichtig. mit unvorhergesehener schnelligkeit fasst er mich an der taille, hebt mich hoch, drückt mich gegen das backsteingemäuer und sieht mich an. für einen bruchteil bin ich perlex, bis ein automatismus einsetzt: mein hände erfassen sein gesicht und ich küsse ihn, völlig verzückt von der spontanen geste. er setzt mich wieder ab und duselig grinse ich ihn an.
„wieso.. woher..?“ stottere ich.
„hab mal bei facebook gelesen, dass jede frau den mann bei dieser geste küsst und ich wollte es ausprobieren.“
ich sage nichts und hoffe, dass meine gesichtszüge nicht in gekränktheit umschlagen. es hätte fünfzigtausendmal mehr effekt erzielt, hätte er das nicht erwähnt! er war noch nicht mal schön und ich hatte längst meine entscheidung getroffen ihn nicht wieder zu treffen. im nachhinein war ich eher noch beschämt, mich von dieser geste fast zum umdenken bewogen zu haben. schade eigentlich. ob man sich als frau in solch einer situation als hoffnunglos-optimistisches romantikopfer sehen darf, bleibt dahin gestellt. an sich war es perfekt und hat alle traditionalen bilder erfüllt – mann präsentiert stärke und frau erliegt dieser nur zu gern.

 

 

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