fiktion für süchtige

„wecker. snooze. wecker. snooze. wecker – aus. zehn minuten später krieche ich dann auch aus dem bett, da ich im bad nebenan geräusche höre, obwohl ich gern das bad zum duschen beansprucht hätte – allerdings war einer der mitbewohner da schneller. also erledige ich haare und körper dann notdürftig im zimmerwaschbecken. der ätzende föhn zaubert urkomischerweise ein annehbares chaos und ich komme ausnahmsweise gerade pünktlich, trotz trödelei. wie jeden morgen nutze ich die treppe hinab um halbwegs ein lächeln zu aktivieren.
er ist gefühlt schlimmer als ich, aber mir wahrscheinlich eher ähnlich. die stimmungen schwanken minutiös. mal lässt er sich auf einen herzlichen scherz mit einer bewohnerin ein, mal kann er mir nicht mal die grüne medikamentenschüssel respektvoll reichen. aber solche schwankungen, lassen sich auch so leicht beeinflussen. ich laufe vom mitarbeitertreffen mit einem bauch voll kaffee und tarte aufs haus zu. mich überkommt durch das angekommene, kleine paket ein anfall herzlicher euphorie. im raum angekommen schmeiße ich ein überschwängliches „salut“ in die runde und bekomme keine antwort. mir wird eine spaziergangs-aufgabe zugeteilt, welche ich glücklich erwiedere und ehe ich mich versehe, entdecke ich sein schmunzeln. das facht mich noch mehr an, ich beginne zwischen tür und angel das paket zu öffnen. er schielt übertrieben zu mir rüber und scherzt euphorisch über den neid einer bewohnerin. später merkt er an, dass ihm das muster des paket-inhaltes gefällt – ich schätze er tut es angetrieben durch meine freude über den inhalt.
nach dem abendbrot lehne ich neben der tür am esstisch-licht-dimmer, spiele damit und scherze lautlos mit einer bewohnerin. er kommt langsam durch die tür und erschrickt. den authenzitätsgrad dieser geste kann ich nicht ausmachen, er geht im selben moment ein paar schritte zurück, aber kommt wieder. wir stehen zu dritt neben dem dimmer. er fragt die bewohnerin etwas. sie mustert mich, worauf ich mit schmunzeln und langem blick antworte – der moment zieht sich lang – sie sehen mich beide gespannt an, bis ich schelmisch mit einer augenbraue zucke und er in einen mischung aus schmunzeln und lachen verfällt. ich habe kurz was ich will und löse mich charmant aus dem moment.
seine schicht ist um, aber er zögert seinen abschied hinaus. floskeln. noch mehr herauszögerung. noch mehr von mir provozierte herausforderung. charme in der luft.
er geht. die herausforderung im gesicht. als ob es alles so einfach wäre.“

(d. henniez „malheureusement heureuse“ – 2015)

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