cidylle 2.0

Sequenz I – Ankunft

mein haus. ein schönes rostbraunes Holzhaus eines älteren jahrgangs. ich finde es auf der ecke einer wiese zwischen vollen tannen, spärlich geschützt durch einen maschendrahtzaun. leicht fahre ich mit erwartungsvollem blick über den zaun zwischen frischem, hohen gras. ich drehe mich zum Besitzer und lächele ihn an, er ahnt bereits und lässt mich schmunzelnd allein. ich wate durch das gras an die schmale Gartentür, neben der ein junger holunderstrauch sprießt. der holunder ist noch nicht ganz reif, aber die früchte haben bereits eine zartrote farbe angenommen. der drehknauf bewegt sich quietschend. ich bewege mich in Richtung des hauses und ich fühle lange halme zwischen meinen fingern, während ich mich angetan der blauen Eingangstür nähern. als davor stehend, bemerke ich ihre abblätternde farbe und plötzlich wünsche ich mir, dass sie so für immer weiter blättert und ihren rauen charme bar legt, rau und weich zugleich. das schloss klackt und ich lege meine Hände auf die schmale messingklinke. nachdrücklich schiebe ich die tür etwas und sie schwingt langsam zur seite. es ist der duft von alter liebe, der mir entgegen schlägt. reifes holz, eine brise geräucherter kamingeruch. der sanfte südwind hüllt in süßlichen duft.
ich stehe im flur, welcher sich nach geschätzten fünf metern nach rechts windet. zu meiner linken befindet sich eine schmale, ausgelatschte treppe. der treppenschrank darunter voller schubladen und kästen. während ich langsam entlang des löchrigen läufers vorwärts gehe, knarzen die dielen charmant unter meinen schritten und ich höre rechts aus der zimmertür vor der windung knackende holzbalken. links neben der flurwindung befindet sich ebenfalls eine tür. zum vorschein kommt ein massiver eichenholztisch, umrundet von einer eckbank und drei simplen stühlen aus eben jenem material. hinter der kleinen eckbankmauer beginnen beigefarbene küchenzeile und -schränke. ich wische etwas ruß vom altbackenen Gasherd und sofort entflammt in mir das gefühl, sämtliche kleinen schalen mit Kräutern aufzufüllen, den Rosmarin aus dem garten abzuhängen und in einer vergilbten kanne frischen Kamillentee aufzubrühen. durch den einst weißen fenstervorhang blicke ich auf eine kleine Lichtung im wald, einen abhang hinunter.
ich trete zurück in den Flur an der windung vorbei, vor die tür mit den knackenden balken. ein sanftes zischen und die marode tür lässt mich Einblick nehmen, in das herz des hauses. meines hauses.
ich halte den atem an. es ist ein fast dunkles zimmer. meine Hand schiebt einen der schweren, weinroten vorhänge zur seite und das licht enttarnt einen dunklen, riesenhaften kasten. es ist ein altes klavier. eines zum spielen lernen. nach und nach wird das zimmer in das herbe orange des sonnenunterganges gehüllt. mit jedem vorhang, welchen ich öffne erwacht das haus. ich bemerke einen großen Kamin aus rußgefärbtem Backstein und in einer ecke daneben, einen kleinen tisch. am ende der fensterreihe ein ebenfalls schwerer, weinroter vorhang.
es ist kein fenstervorhang, er trennt den raum.

 


 

 

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