„louise“ – eine geschichte für die reale welt

„es drehte sich immer nur um kerle. einer hier, einer da. aber natürlich hatte dir das perfekte marken-puppen-spielzeug aus kindertagen eingetrichtert, dass es trotzdem den „einen“ gab. eingetrichtert, dass es kein problem wäre, alles hinzuschmeißen. irgendwann kommt er ja eh von selbst. schicksal und so weiter. genau wie mit der jobsuche. oder der beantwortung der frage, was du nach dieser karriereetappe letztlich tun willst. du willst das große geld, den großen reichtum, die eine liebe und das alles bitte zum mitnehmen, damit du die bahn gleich noch schaffst.

wie oft wurdest du bereits von freundinnen gefragt, welche art kerl denn ‚dein typ‘ wäre.die hast das immer unter ausreden als eine dümmliche kategorisierung abgetan und schwammige antworten á la „ach was, es kommt immer auf die ganze person drauf an“ geantwortet. aber der fakt, dass über die jahre mehr und mehr das bild des für dich perfekten in deinem kopf gewachsen ist. du gruselst dich vor genau diesem fakt. du hasst es, dass ein teil von dir kategorisiert. das wiederspricht ja eigentlich deiner lebenseinstellung.

du vernimmst ein ratterndes geräusch, das sich nähert und unweit von dir zum ersticken kommt. wiederwillig legst du das schwere österreichische magazin für „stadt & land“ aus der hand, pellst dich aus dem berg der heuballen und  patschst mit deinen farblich undefinierbaren gummistiefeln in richtung hof. es hat vorhin geregnet und in der luft liegt noch feuchtigkeit. du merkst wie der bewölkte himmel beginnt sich in dern gemüt zu schleichen und als du um die ecke der stallungen biegst, merkst du, dass du dich wohl gleich etwas unfreundlich abreagieren wirst.
du schaust auf ein motorrad. in diesem moment richtet sich eine gestalt, von deinen gummistiefeln aufgerüttelt, hinter dem motorrad langsam auf. trotz der post-regen-kühle schüttelte er sich in jener bewegung die verschwitzen haare aus dem gesicht. er sieht in deine richtung und der stählerne blick lässt dich erstarren.“

(aus Lianne D’Onelly „Raubkopien aus Leidenschaft“)

 

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