erfurt – liebste spätherbstflucht

4h fahrt. ausstieg. press to play:

fertig sortiert setze ich mit diesem song meinen weg über den bahnhofplatz zur straßenbahn fort und die verdammte sonne gibt sich beste mühe. feinstes sonnenwetter schürt meine endorphinproduktion. ungewollt passt sich mein schrittempo dem takt an. „so lonely my heart..“ und ich schwebe fast. was für ein perfekter auftakt. es scheint als hätte erfurt seit dem letzten besuch im sommer geschlafen, es hat sich für meine kurzsichtige auffassung nichts verändert. die straßenbahnfahrt dauert wunderbare 15 minuten und ich genieße sie in vollen zügen bis ich die uni erreiche und dort auf einen meiner besuchsgründe treffe. ich lerne neue leute kennen, alle offen, freundlich und stimmungstechnisch dem wetter angepasst. später werde ich von meiner couchsurferin abgeholt. geplättet von ihrer gastfreundlich sitzen wir, nach einem ausgedehnten schlender durch die stadt, zu dritt sechs stunden in ihrer wohnung. die zeit fliesst dahinin einer ununterbrochenen angeregten diskussion. sie hat kuchen gebacken! apfelkuchen. er ist noch warm. mürbeteig, streusel, viel apfel.
irgendwann verlassen wir ohne sie die wohnung und begeben uns ins erfurter nachtleben. mehr, noch mehr neue leute. ohne ausnahme mit herzlicher offenheit. ein selten erfahrener aber unglaublicher wert.

ich wache angenehm auf. mich trifft eine erkenntnis über jemand besonders anziehenden wie ein angenehmer schreck, ich befinde mich wohl noch in düseliger schläfrigkeit, obwohl ich um den wahrheitsgrad der erkenntnis weiß. nach lässigen, kurzen absprachen frühstücken wir zu dritt in ihrer wohnung, welch ein idyll aus freundschaft, gastreundlichkeit und nahrungsmitteln. etwas graueres wetter liegt heute über erfurt. und trotzdem fühlt es sich an wie eine auszeit von allem. weder tangieren mich heimische bildungseinrichtungen, liebschaften, vergangenheit, noch sonstige pflichten. es ist der reinste genuss fernab aller uhren sich mit der sichereit des tageslichtes zu bewegen. ziel- und planlos. herrlich. hier herrscht noch nicht einmal das gefühl vor, einen plan haben zu müssen. jemand anständiges würde es sicher „urlaubsgefühl“ nennen.
wir kehren zurück und testen ein salatrezept einer freundin meinerseits. wieder sitzen wir und reden, lang und erkenntnisreich. es ist so angenehm dass ich vergesse ein elektronisches gerät aufzuladen. ein tatsächlich glücklicher zufall, besser hätte es nicht kommen können. in der tat. wieder verlassen wir die wohnung auf dem weg zu einem geburtstag und begeben uns zu fuß in die stadt und erhaschen einen unglaublichen ausblick vom petersberg auf erfurt bei nacht. die schaukel schwingt mich in einem herrlichen takt aus flug- und fallgefühl.
als wir später wieder in einer vollen bar sitzen kann ich mich noch kurz über den seltsamen stil der bar wundern, so irish-pub-mäßig. aber auf meine frage erhalte ich keine zustimmung bevor ich mich in alkoholische amnesie begebe. herrlich.

wieder wache ich auf. es ist schon später morgen und meine surferin arbeitet. ich möchte sie nicht stören und treffe mich wieder anderorts. wir trinken in einer leereren restauration wasser, kakao, cola und speisen ebenso. hier läuft alte, schmalzige, grandiose musik. es erinnert mich kurz an einen romantischen abend der vergangenen woche in einem american diner, aber ich lasse den gedanken nicht zu und besinne mich zurück auf das kleine fenster hinter mir. das essen schmeckt herrlich und die verhasste kerze verbreitet ein wundervoll angenehmes gefühl. es ist behaglich, nett eingerichtet und die lachende kellnerin beschwert sich nicht, als wir zwei (oder drei?) stunden später unsere rechnung begleichen, sie lächelt. die stunden vergehen bis wir uns am abend in einer netten bar einfinden. für meinen geschmack riecht es sehr nach szene, aber die verschiedenen gäste zerstreuen etwaige anmaßungen. im hintergund lässt sich eine feine auswahl angenehmer, guter songs ausmachen. meine limonade schmeckt herrlich herb und ich befinden mich in wunderbarer gesellschaft eines freundes und einer freundin.
später verabschieden wir uns. so unpathetisch herzlich wie es nur sein kann, zwei angenehme, wunderbare menschen. ausblicke auf zukünftige besuche und eine sanft-kalte letzte nacht in erfurt.

der bus verlässt die stadt. ich halte mich nicht mit sehnsüchtigen blicken und wünschen nicht abzufahren auf, ich beginne einen film. er lenkt mich ab, prepariert mich für die aufregung, den stress, die realität. trotzdem weiß ich, es war ein herrlicher besuch. obwohl ich erwartet hätte, dass erfurt bei meinem zweiten besuch etwas um den eigens kreierten glanz verlöre, ist jenes nicht eingetreten. die spieluhr in der kleinen kiste ist abgelaufen, aber wenn ich die musik wieder hören möchte, drehe ich sie später einfach wieder auf und versinke in glücklicher admittance.

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Ein Gedanke zu „erfurt – liebste spätherbstflucht

  1. mag ich sehr dein Schreiben. Fließe richtig mit. Hab dich übrigens nominiert für den „Liebster award“ ;-) – schau mal bei Gelegenheit vorbei, da wartet ein Stöckchen…

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