alte kaRAmellen no.24

„du wolltest dir bloß den abend vertreiben..“

irgendwo her kenn ich das.

„und nicht grad allein gehn und riefst bei mir an „

ach das ist doch..

„wir waren nur freunde und wolltens auch bleiben „

oh nein, nicht dieser song!

dieser song. dieser schinken. dieser verdammte 80er.
profanes storytelling gemischt mit simplen gitarrenriffs und einem wirklich unspektakulärem solo. ein plumper synthi im piano-style. damit der song voller klingt. und dann noch sein gesang. die stimme erkennbar, aber leider nicht unverkennbar.  ein bisschen nuschelei und pathetische coolness. ein song, bei dem jeder sich insgeheim fragt, wie zur verdammten axt dieser interpret noch hieß. ein song aus einer anderen generation. trotzdem ist er zu uns und auch zu mir durchgedrungen.

im sommer vor zwei jahren war mir dieses lied wohl bekannt, aber eher negativ von schlagerparties. durch mittelalte, grölende, standardtanzende erwachsene verbildert. ich kannte es bereits von dorffesten, aber es gab mal ein unbeliebtes mädchen in der sechsten klasse, die eine cd mit diesem song eines tages mal mit in die schule brachte und durch zufall so damit herumwirbelte, dass ich es auch mitbekam. ich weiß noch genau, ich dachte damals so etwas wie ‚jaa, zu dir passt so ein simpler song‘. aber diese gedanken waren erfüllt von tristem mitgefühl, sie war eben ein schwieriges heimkind. ohne böse absicht habe ich diesen song nie zu gemochten titeln oder zu favoriten gezählt.

in jenem sommer, meinem ersten dienstjahr an der küste, war unser kollegium an einem abend der saison im nahegelegenen dünenhaus zu einer party gegangen. gegen halb zwölf angekommen, war es nicht voll und die tanzfläche eher licht. wir waren uns alle einig, dass die musikauswahl wohl nicht von professioneller hand stammte, zumal kellnerinnen und kellner abwechselnd am laptop vor ort vorbei liefen um nächste titel auszuwählen. wir hatten alle bereits etwas softes getrunken, als eben jener titel plötzlich erklang. ich stand neben einer freundin. wir hatten uns sporadisch unterhalten.
plötzlich tauchten zwei männliche gestalten vor uns auf. ein anderer kollege und mein gutaussehender altstudenten-chef. ich war nicht verliebt, aber fand seine bestimmende, überzeugte aber kompetente art, sowie seine gestalt sehr anziehend. er streckte mir wortlos auffordernd mit einem charmanten lächeln die hand entgegen, zog mich richtung tanzfläche und mein wirrer kopf schien bei dieser unglaublichen geste zu explodieren. auf der tanzfläche angekommen schwang er mich sofort in die richtige haltung. eine raue hand in meiner, eine andere auf meinem rücken. er begann seine füße zu bewegen. während ich panisch dahinschmelzend versuchte mich zu erinnern, welche schritte die weibliche person bei dem schwierigerem discofox machte, erreichten seine worte mich. sein mund knapp neben meinem ohr „lass mich einfach führen“. ich wurde umhergewirbelt und aus uns wurde eine dynamisch, elegante tanzeinheit. weg, drehung, wieder ran. sein hemd. meine hand auf seiner muskulösen schulter. schnelligkeit. hoher puls. augen.

 

natürlich war der song dann auch irgendwann vorbei. wie eine sequenz die mit einem outro endet. ich war mir nicht mehr sicher wie sich genau die situation aufgelöst hatte, aber ich bin der überzeugung, dass wir danach alle langsam nach hause gegangen sind und ich ihn nicht mehr danach gesehen hatte.
diese wundervolle, anziehende erinnerung klebt nun für mich für immer an diesem song. seit dem habe ich ihn wohl mit anderen augen gesehen und aus negativer konnotation eine überaus positive gemacht. ich verurteile mich selbst für vorurteilendes handeln, aber bin froh über jede korrektur, dieser charmanten natur.ich sehe ihn jedes jahr kurz wieder und jedes jahr merke ich, dass auch er es nicht vergessen hat. diese eine nacht von tausend.

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