2. „cidylle“ ROBINSON

Sequenz II – Das Haus

„es ist kein fenstervorhang, er trennt den raum. neugierig schieben wir den dunklen stoffvorhang zur seite, in erwartung, was wohl dahinter versteckt liegt – und sind erstaunt. eine karge einbuchtung, ohne möbel, seltsam perforiertes holz, aber eine wohlige wärme. es stehen keinerlei möbelstücke in dieser nische, nur ein großes fenster ist in der wand eingelassen. wir sehen hinaus und blicken in den anliegenden wald, wo der wind die baumkronen leicht zur seite drückt. wir spüren, dass dieses zimmer, das in hellem birkenholz gezimmert wurde, eine besondere verwendung finden wird. es liegt so abseits, wie eine nische, unaufdringlich, aber mit raum zum ausdruck. Ich höre leise deine stimme an meinem ohr, dass du genau hier dein saxophon hinstellen willst, singen willst. Es ist ein raum, in dem wir selbst gestalten können. während die restlichen räume von geschichte leben, entsteht hier alles neue.
wir gehen ein stück den gang zurück und steigen die ersten stufen der knarzigen treppe hinauf. das geländer ist an der linken seite angebracht. wir greifen es beide und spüren, wie es unseren berührungen fast nachgibt und zur seite kippt, ein stück, und uns dann doch hält. es sind nur wenige dunkle holzstufen hinauf, bis wir eine luke sehen, die in den boden eingelassen ist. du drückst leicht dagegen, aber sie bewegt sich nicht. ich steige auf deine stufe und während wir uns gegenüberstehen und uns in die augen sehen, stemmen wir beide feste an die decke, so dass die luke langsam hoch und zur seite klappt. du steigst ganz hinauf und blickst dich um. es ist ein großer raum. er erstreckt sich über die gesamte fläche des obergeschosses. rechts und links führen die dachschrägen hinab und doch kann man in der mitte aufrecht stehen. obwohl die luke seit einiger zeit nicht mehr aufgedrückt worden ist, ist der raum voller frischer, angenehmer luft. die wände sind im holz des daches belassen, der boden ist mit schweren, dicken brettern verarbeitet, die jeden schritt dumpf erklingen lassen. das haus wirkte im unteren stock so klein und verwinkelt, der große raum des dachgeschosses wirkt hingegen weitläufig. an einer kopfseite des raumes steht ein bett, an der anderen ein schwerer eichenschrank. mittig ist, in einem kleinen vorsprung eingelassen, ein balkon, auf dem ein winziger tisch steht, kaum groß genug, dass wir beide uns daran setzen können. mit langsamen schritten gehst du auf den balkon und stellst dich direkt an das etwas rostige geländer. deine augen ziehen sich etwas zusammen, denn du scheinst über das weite feld in die ferne zu schauen und die alte windmühle in schemen zu sehen. ich stehe hinter dir, ganz dicht an dir. ohne, dass wir uns berühren spüren wir unsere nähe und das gemeinsame gefühl, angekommen zu sein. du lehnst deinen kopf sachte zurück, direkt an meine rechte schulter. du hast die augen geschlossen und spürst, wie sich an deinem ohr der leichte windhauch, der aus dem wald ans haus weht, mit meinem atem vermischt.“

by „Robinson“ aka offjournal.de

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