1. „cidylle“

Sequenz I – Ankunft

unser haus. ein schönes rostbraunes Holzhaus eines vergangenen jahrgangs. wir finden es auf der ecke einer wiese, zwischen dicken eichen und vollen tannen, spärlich geschützt durch einen maschendrahtzaun. du fährst leicht mit liebevollem blick über den zaun zwischen frischem, hohen gras und ich weiß, dass dies für immer unser haus wird. ich drehe mich zum Besitzer und lächele ihn an, er ahnt bereits und lässt uns schmunzelnd allein. wir waten durch das gras an die schmale Gartentür, neben der ein junger holunderstrauch sprießt. der holunder ist noch nicht ganz reif, aber die früchte haben bereits eine zartrote farbe angenommen. du bewegst den drehknauf und sanft quietschend schiebst du es uns auf. wir bewegen uns in Richtung des hauses und ich fühle lange halme zwischen meinen fingern, während wir uns angetan der blauen Eingangstür nähern. als wir davor stehen, bemerke ich ihre abblätternde farbe und plötzlich wünsche ich mir, dass sie so für immer weiter blättert und ihren rauen charme bar legt, rauh und weich zugleich. das schloss klackt und wir legen unsere Hände gemeinsam auf die schmale messingklinke. zusammen drücken wir die tür etwas und sie schwingt langsam zur seite. mit deiner Hand in meiner, mache ich den ersten schritt. es ist der duft von alter liebe, der uns entgegen schlägt. reifes holz, eine brise geräucherter kamingeruch. der sanfte südwind hüllt uns in süßlichen duft.
wir stehen jetzt im langen Flur der sich nach geschätzten fünf meter rund nach rechts windet. zu unserer linken befindet sich eine schmale ausgelatschte treppe. der treppenschrank darunter voller sschubladen und kästen. während wir langsam entlang des löchrigen läufers vorwärts schreiten, knarzen die dielen charmant unter unseren schritten und ich höre rechts aus der zimmertür vor der windung knackende holzbalken. links neben der flurwindung befindet sich ebenfalls eine tür. du öffnest sie ganz still und zum Vorschein kommt ein massiver eichenholztisch, umrundet von einer Eckbank und drei simplen stühlen aus eben jenem material. hinter der kleinen eckbankmauer beginnen beigefarbene Küchenzeile und -schränke. du wischst etwas ruß vom altbackenen Gasherd und sofort entflammt in mir das gefühl, sämtliche kleinen schalen mit Kräutern aufzufüllen, den Rosmarin aus dem garten abzuhängen und in einer vergilbten kanne frischen Kamillentee aufzubrühen. durch den einst weißen fenstervorhang blicke ich auf eine kleine Lichtung im wald, einen abhang hinunter.
wir treten zurück in den Flur an der windung vorbei, vor die tür mit den knackenden balken. ein sanftes zischen und die marode tür lässt uns Einblick nehmen, in das herz des hauses. unseres hauses.
wir halten gleichzeitig den atem an. es ist ein fast dunkles zimmer. deine Hand schiebt einen der schweren, weinroten vorhänge zur seite und das licht enttarnt einen dunklen, riesenhaften kasten neben mir. es ist das alte klavier, auf dem du spielen lerntest. nach und nach wird das zimmer in das zarte rosa des sonnenaufganges gehüllt. mit jedem vorhang, den du öffnest erweckst du unser haus. ich bemerke einen wunderschön großen Kamin aus rußgefärbtem Backstein und in einer ecke daneben, einen kleinen tisch. am ende der fensterreihe stehst du vor einen ebenfalls schweren, weinroten vorhang.
es ist kein fenstervorhang, er trennt den raum.

mir fällt auf, dass jegliche vergleiche ‚das wäre wie..‘ nichtig sind. damals auf der wiese in der klaren Sommernacht? das war wie bei unserem haus. und nun, nun ist es unser haus. jeglicher vergleich ist auch weiterhin nichtig, da er nun absolut keine rolle mehr spielt. wer will denn vergleichen und träumen, wenn dieser traum wahrhaftig ist?

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